Gerwin trifft Albert Mangelsdorff,
die Jazzlegende

Er ist im internationalen Jazz zur Legende geworden: Albert Mangelsdorff spielt die Posaune so virtuos und perfekt, dass ihn sogar die selbstbewussten Amerikaner vor 25 Jahren zum besten Jazzposaunisten der Welt gekürt haben. Bei seinem Onkel in Pforzheim hat er als Bub Violine gespielt und später im Krieg abends die verbotenen „Feindsender“ nach Glenn Miller und Count Basie abgehört. Im letzten Jahr ist Albert Mangelsdorff 70 geworden. Aber kein bisschen leise und ruhig schon gar nicht, wie er zusammen mit dem United Jazz & Rock Ensemble jetzt wieder unter Beweis stellt.

Was fasziniert Sie am Jazz?
Im Jazz ist es wohl einmal das Rhythmische und dann die rhythmische Intensität, die diese Musik hat und nicht vergleichbar ist mit anderer Musik. Und dann fasziniert mich die individuelle Tongebung, wie einer sein Instrument, seine Musik ausdrückt. Die individuelle Ausprägung ist im Jazz viel offener, freier und stärker. Das ist natürlich auch ein Riesenreiz, dass man beim Jazz selber kreativ sein kann und nicht nur interpretiert.

Haben Sie als junger Mensch anders gespielt als jetzt?
Ganz sicher, da hat eine ziemliche Entwicklung stattgefunden -und zwar auch, glaube ich, durch die Musik mit mir selbst. Ich bin immer ein sehr introvertierter Mensch gewesen. Im Verlauf des Musikmachens und sich Befreiens bin auch ich freier geworden. Mit dem, was ich spiele und spielen kann, hat sich auch meine Persönlichkeit verändert. Ich bin von einem sehr introvertierten Menschen doch offener geworden.


Haben Sie Angst vor dem Tod?
Nein. Ich halte mich für einen Fatalisten und wenn es mal so weit ist, dann ist es eben so weit.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Das kann ich mir nicht vorstellen.


Wie ist Ihre Einstellung zur Religion?
Von der Erziehung her gehöre ich keiner Religion an. Meine Eltern haben mich auch nicht taufen lassen. Andererseits respektiere ich jedermanns Religion und Religiosität. Ich bin kein Religionsgegner. Nur habe ich es nicht erlebt und auch nicht gelernt. Ich weiss natürlich, was in der Bibel steht. Die Bergpredigt ist eine wunderbare Sache, da kann ich mich anschliessen.
Es ist ja nicht so, dass ich, die Werte des Christseins nicht anerkennen würde. Die gelten auch für mich. Das hat nur mit Religiosität nichts zu tun, sondern mit Lebenseinstellung und Einstellung zum Leben.


Albert Mangelsdorff
Albert Mangelsdorff

Hanno Gerwin und Albert Mangelsdorff
im Gespräch...


Hanno Gerwin und Albert Mangelsdorff
mit Hanno Gerwin

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Albert Mangelsdorff
wird am 5. September 1928 in Frankfurt am Main geboren. Mit 12 Jahren hat er zum ersten Mal Kontakt mit Jazz. Bevor er sich ganz dem Jazz widmet, erhält er aber Violinenunterricht bei seinem Onkel in Pforzheim und studiert klassische Musik.
Nach dem Krieg spielt Mangelsdorff zunächst Rhythmusgitarre in einer Bigband, wendet sich dann aber 1947 endgültig der Posaune zu. Zehn Jahre später wird er Leiter des Jazz Ensembles des Hessischen Rundfunks, und 1961 gründet er das Albert Mangelsdorff Quintett. Ende der 60er Jahre spielt er verstärkt Free Jazz und wird international bekannt. 1972 wird seine erste Solo-LP aufgenommen. Seit Anfang der 90er Jahre ist Albert Magelsdorff künstlerischer Leiter des Jazzfestes in Berlin.

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